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Von Axel Wilberg

Die Pfarrkirche St. Lambertus in Erkelenz zählt zu den bedeutenden und traditionsreichen Pfarreien des Bistums Aachen. Dementsprechend genoss auch die Kirchenmusik bereits in den vergangenen Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. Besonders hervorzuheben ist das Wirken des Juristen und Organisten Cornelius Burgh (um 1590-1639), der Sammlungen geistlicher Konzerte zu drei und vier Stimmen hinterließ.

Ebenso bewegt ist die Orgelgeschichte in St. Lambertus. Bereits 1467 erwähnen die Akten einen Lehrer und Organisten. Für 1497 belegt die Chronik des Bürgermeisters Matthias Baux den Bau einer neuen Orgel („Item In demselven Jaer wart der nyhe orgel achter an den Toirn gemaecht, der meister was gnant meister Johan orgelmecher van Ruremunde und hait gecost 190 golt gulden und 4 malder roggen.“). Die „Aacher Chronick“ von Johannes Noppius vermerkt zu einem Neubau der dortigen Münsterorgel durch den Orgelbauer Johann Schade, dass dieser bereits zuvor in Erkelenz tätig war („…dabevorn eine in Sancto Foilano von 17 Registern wie imgleichen eine bey den Herrn Reguliern, Carmeliten, Weissen Frawen zur Ruremund, Ercklens und an mehr anderen Platzen gebauet hatte.“).  Dieses Instrument muss vor 1631 entstanden sein. Ein letzter Umbau der Schade-Orgel erfolgte 1884 durch die Gebrüder Müller aus Reifferscheid. Im Jahr 1904 versagte sie ihren Dienst ausgerechnet während der Exequien für den Organisten. 1907 wurde eine neue Orgel der Firma Johannes Klais (Bonn) mit 44 Registern eingeweiht.[1] Das stattliche Instrument wurde im zweiten Weltkrieg ein Raub der Flammen.

Für die neuerbaute Kirche lieferte die Firma Romanus Seifert (Kevelaer) eine Interimsorgel mit 18 Registern, die zunächst in der Krypta aufgebaut wurde. Nach der Fertigstellung des Hochchores fand sie zunächst im linken Querschiff auf einer Empore Platz, später dann zu ebener Erde. Diese für die Kirche viel zu kleine Orgel konnte nur eine Übergangslösung sein und so begann man 1974 mit der Planung eines neuen großen Instruments, nachdem schon 1961 der Wunsch nach einem dem Raum angemessenen Instrument laut wurde. Die Seifert-Orgel wurde nach Mönchengladbach-Pongs verkauft, wo sie noch in der Herz-Jesu-Kirche bis zum Orgelneubau durch die Firma Muhleisen (Eschau/Elsass) 2001 ihren Dienst tat.

1979 wurde nach langen Planungen die neue Orgel der Firma Oberlinger (Windesheim) eingeweiht.[2] Das Instrument fand links vom Altar im Querschiff eine ebenerdige Aufstellung, die dem Wunsch nach einer liturgischen Einheit von Musik und Altar geschuldet war. Genau dieser Standort wurde dem Instrument letztendlich zum Verhängnis. Die fehlende klangliche Präsenz im Kirchenraum führte anlässlich der Kirchenrenovierung 1999/2000 zu einer Überarbeitung und Neuintonation auf erhöhtem Winddruck. Bereits nach wenigen Jahren zeigte sich, dass diese Maßnahme wenig an dem ursprünglichen Problem ändern konnte, jedoch verstärkt Verstimmungen und massive technische Probleme mit sich brachte.

2009 gründete sich auf Initiative von Kantor Stefan Emanuel Knauer ein Orgelbauverein, der zunächst eine weitere Überarbeitung des Instrumentes in Erwägung zog. Die Erkenntnis, dass auch weitere Umbauten nicht das grundsätzliche Problem der Orgel lösen würden, führte schließlich zu einer Auftragsvergabe für ein gänzlich neues Instrument an die Firma Martin Scholz aus Mönchengladbach.

 

[1] Die Disposition und weitere Angaben finden sich in: Hilberath, Hans: Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz (=Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V. Nr. 7), Erkelenz 1985, S. 113 ff. oder auch im Werbeblatt der Orgelbaufirma Klais: https://orgelbau-klais.com/_klais/bilder/pdf/Erkelenz.pdf

[2] Das Instrument ist klanglich auf LP durch KMD V. Scholz dokumentiert, organo phon 10006.

 

Disposition

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