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Studenten der Süddeutschen Orgelakademie spielen im Münster

Obermarchtal – Bei der „Süddeutschen Orgelakademie in Obermarchtal“ werden Studierende aus aller Welt jeden Sommer für einige Tage von namhaften Orgelmeistern unterrichtet. Von Donnerstag bis Sonntag verbrachten über 20 Orgelstudenten aus unterschiedlichen Ländern viele Stunden an der Holzhey-Orgel und zwei weiteren Kirchenorgeln in Obermarchtal. Höhepunkt der Ausbildung war am Samstagabend ein Orgelkonzert im Münster von sieben Schülern aus vier Ländern, die auf sehr hohem Niveau bewiesen, dass Orgelspielen eine Leidenschaft ist.

Als Dozent für das aktuelle Jahr konnte der fast 80-jährige Schweizer Organist und Musikwissenschaftler Jean-Claude Zehnder aus Basel gewonnen werden. Zehnder ist ein ausgesprochener Kenner des barocken evangelischen Kirchenmusikers Johann Sebastian Bach (1685-1750). Ein Leben lang hat sich Zehnder mit Bach beschäftigt, und über ihn auch viel Literatur verfasst. So verwundert es nicht, dass Kernthema des Konzertprogramms am Samstag das bahnbrechende Orgelbüchlein von Bach war, das dieser 1710 im Alter von 25 Jahren erstehen ließ. Hierfür hat der Organist Bach 46 Choräle komponiert, die das komplette Kirchenjahr begleiten.

Michael Grüber führte durch das Programm, das von sieben Orgelstudenten an der Holzhey-Orgel aus dem Jahr 1780 bestritten wurde. Als Weltklasseinstrument bezeichnete Grüber die Orgel im Obermarchtaler Münster, und bescheinigte, dass für barocke Musik dieses barocke Instrument genau richtig sei. „Dafür fliegen wir Organisten nach Obermarchtal, sogar aus Japan“, sagte er und gab die Orgel frei für Matthias Franz aus Hohenstein bei Frankfurt. Es erklangen von Benediktinerpater Carlmann Kolb „Präludium tertium“ und von Johann Sebastian Bach aus dem Orgelbüchlein „Jesu meine Freude“.

Haruka Kinoshita aus Japan, die in Hamburg Orgel studiert, brachte mehrere Choräle aus dem Orgelbüchlein, z.B. „Christ lag in Todesbanden“. Mit erreichtem Master Abschluss erwies sich als absoluter Meister der Orgel Mitsune Uchida aus Japan, der in München studiert. Er intonierte von Bach „Toccata G-Dur“, ein  virtuoses Meisterwerk Bachs. Der jüngste Teilnehmer, der 16-jährige David Hofbauer aus Österreich, spielte den Choral “Wachet auf, ruft uns die Stimme“, den Bach für Chor und Orchester komponiert, und später für Orgel bearbeitet hat.

Etwas anders klang das mitreißende große Werk „Toccata Septime“ von Georg Muffat (1653-1704), gespielt von Sung-Rim Park aus Südkorea. Muffat kam aus Frankreich nach Passau, seine Komposition passte optimal zur Holzhey-Orgel, denn der Erbauer hatte seinerseits eine starke französische Orientierung, und baute daher entsprechend deftige Instrumente. Die Fuge am Ende mit vier verschiedenen Themen ist die einzige Quadruple-Fuge des 17. Jahrhunderts.

David Hofbauer kehrte zurück für den Choral „O Mensch bewein dein Sünde groß“ aus dem Orgelbüchlein. „Der Tag der ist so freudenreich“ und „In dir ist Freude“ hieß es bei Thomas Grau, das Orgelbüchlein sieht diese Stücke für Weihnachten vor. Mit dem großen „Präludium e-Moll“ von Bach in der Interpretation von Himawari Honda aus Japan, die in Straßburg Orgel studiert, endete das ausgesprochen virtuose Konzert.

Friedrich Hog, Schwäbische Zeitung Ehingen