
Die neue Orgel im Veitsdom zu Prag – ein optisches und klangliches Wunderwerk
Generationen von Kirchenmusikern, Gläubigen und Priestern haben darauf gewartet: im Prag ist am 15. Juni die neue Orgel des Veitsdoms eingeweiht worden. Erzbischof Stanislav Pribyl bezeichnete das Instrument bei einem Festgottesdienst am Montag als „neue Stimme der Kathedrale“, nicht mit Worten, sondern über die Musik in die Herzen der Menschen. Gesegnet wurde die Orgel mit 121 Registern, 5.755 Pfeifen und zwei Spieltischen vom emeritierten Erzbischof Jan Graubner. Im dreistündigen Festgottesdienst waren Werke von Antonin Dvorak, Georg Friedrich Händel, Camille Saint-Saëns und Joseph Haydn zu hören. Die Feier gilt auch als symbolischer Abschluss des fast sieben Jahrhunderte währenden Baus der bedeutendsten Kirche Tschechiens auf der Prager Burg.
Die speziell für die außergewöhnliche Akustik des Veitsdoms konzipierte Orgel entstand in der Werkstatt des Orgelbauers Gerhard Grenzing in El Papiol bei Barcelona. Grenzing bezeichnete das Projekt als einen Höhepunkt seines beruflichen Lebens und sprach von einem wahren Kunstwerk, das der Musik, der Liturgie und der Architektur der Kathedrale dient. Die Prospektidee stammt von Jan von Hassel. Die äußere Gestaltung wurde von Grenzings Designercrew und dem Designer Peter Olah in gegenseitiger Inspiration als erstellt. Beide erklären: „Wir wollten kein Objekt schaffen, das die Kathedrale dominiert, sondern eines, das mit ihr in Dialog tritt". Die scheinbar schwebenden Pfeifen werden durch rund 180 Elemente aus böhmischem Kristall ergänzt.
Die Initiative zur Errichtung des Instruments geht auf den vor einem halben Jahr verstorbenen Kardinal Dominik Duka (1943 – 2025) zurück. Bald nach seinem Amtsantritt als Prager Erzbischof im Jahr 2010 hatte Duka begonnen, über eine grundlegende Aufwertung der Kathedrale nachzudenken. Nachdem die Beleuchtung erneuert und der Chorraum restauriert worden waren, setzte sich Duka für den Bau einer repräsentativen Kathedralorgel ein. Der Kardinal brachte das Projekt ins Rollen und initiierte eine Spendenkampagne.
Mehr als 12.000 Spenderinnen und Spender beteiligten sich und finanzierten so Großtteil der Kosten des knapp 5 Millionenprojekts. Die entscheidende Umsetzungsphase im Veitsdom fiel dann in die Zeit von Graubner als Erzbischof von Prag ab 2022. Bereits bei der Beisetzung von Duka im vergangenen November war der Klang der neuen Orgel zu hören.
Die Geschichte der Orgelmusik im Veitsdom reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste verlässliche Erwähnung einer Orgel stammt aus der Zeit von König Ottokar II. Premysl. Damals ließ der Dekan des Domkapitels eine neue Orgel für 26 Mark Silber errichten. Das Instrument war vergleichsweise klein; gespielt wurde es teilweise mit Fäusten oder Ellenbogen. Während der Regierungszeit Karls IV. entstand vermutlich eine weitere Orgel.
Einen besonderen Höhepunkt stellte das sogenannte "Kaiserliche Instrument" dar, das auf Veranlassung von Kaiser Ferdinand I. errichtet und 1570 fertiggestellt wurde. Es erklang nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei den Krönungen böhmischer Könige. Diese Orgel wurde 1757 während der preußischen Belagerung Prags zerstört. Als Nachfolger entstand 1765 die barocke Orgel des Orgelbauers Johann Anton Gartner mit 2.619 Pfeifen. Teile dieses Instruments sind bis heute erhalten. Nach der Vollendung des Veitsdoms im Jahr 1929 war zwar eine neue große Westorgel vorgesehen, doch fehlten die finanziellen Mittel. Stattdessen wurde 1930 eine provisorische Orgel auf der alten Nordempore installiert. Diese erwies sich für den gewaltigen Kirchenraum als unzureichend. Die für eine repräsentative Kathedralorgel vorgesehene Westempore blieb mehr als 90 Jahre lang leer. Erst mit der nun eingeweihten Grenzing-Orgel wurde die ursprüngliche Vision vollendet. (Michael Grüber)
Bildergallerie
Weitere Links
Komplette Live-Übertragung der Orgelweihe
https://katedrala.tv/detail/642
Nachrichten TV-Sendung
https://vimeo.com/1203529068/c870abb52d
Festkonzert für die neue St.-Veits-Orgel
https://vimeo.com/1203264569
15th International Organ Festival in St. Vitus Cathedral
https://www.varhannifestival.cz/en
Die St.-Veits-Orgel
https://apha.cz/akce/slavnostni-inaugurace-novych-svatovitskych-varhan-a-svatovitsky-oktav/
Fotos von Martin Doering
https://die-orgelseite.de/bilder/sets/CZ_Praha_Katedrala.htm
Eine neue Orgel für die Kathedrale St. Veit in Prag - Informationen
Am 15. Juni 2026 wurde die neue Orgel der Kathedrale St. Veit in Prag eingeweiht, gebaut von der Werkstatt Gerhard Grenzing mit Sitz in El Papiol (Barcelona), nach mehr als drei Jahren Arbeit und ihrer anschließenden über 6 Jahre langer Lagerung im Montagesaal. In der Zwischenzeit hatte es das Grenzing-Team möglich gemacht, die bereits zugesagten Instrumente zu bauen, darunter eine Orgel mit vier Manualen mit 16-Fuß-Prospekt und Rückpositiv für Stockholm!
Die Fertigstellung dieses Instruments bedeutet zugleich die symbolische Vollendung der Kathedrale selbst, mehr als sieben Jahrhunderte nach Baubeginn, und stellt eines der bedeutendsten künstlerischen, kulturhistorischen und musikalischen Ereignisse der letzten Jahre in Europa dar.
Die Prager Orgel ist eine der größten mechanischen Orgeln, die von der Werkstatt Grenzing gebaut wurden, und eines der derzeit größten realisierten Instrumente. Die Vergabe des Projekts erfolgte durch einen internationalen Wettbewerb, und seine Ausführung wurde durch die Finanzierung eines eigens für das Projekt geschaffenen Stiftungsfonds ermöglicht, gespeist durch Beiträge von Unternehmen, Mäzenen und ein umfangreiches Netzwerk von Spendern im Rahmen einer beispiellosen und intensiven Fundraising-Kampagne.
Ziel der Werkstatt Grenzing war es, auf den außergewöhnlichen Maßstab der Kathedrale zu antworten und klanglich zu erfüllen: ihre große gotische Architektur, die in der Neuzeit vollendet wurde und deren Kirchenschiff etwa 120 m Länge und 33 m Höhe erreicht. Das Instrument wurde mit Energie und Poesie, nicht nur mit „Kraft“ konzipiert.
Die musikalische Konzeption der Orgel stützt sich auf eine spezifische akustische Untersuchung des Gotteshauses, die Tests mit realen Pfeifen an verschiedenen Stellen der Kathedrale einschloss. Diese Versuche des Grenzing-Teams ermöglichten es, das Verhalten des Klangs im Raum vorauszusehen und die komplexe spätere Intonationsarbeit vorzubereiten.
Das Instrument verfügt über vier Manuale, 121 Register (einschließlich Extensionen) und zwei Spieltische, einen mechanischen und einen mobilen, mit insgesamt 5.755 Pfeifen aus Holz und Metall, deren größte zehn Meter hoch ist. Es hat ungefähre Maße von 13 Metern Höhe, 13 m Breite und 6 m Tiefe sowie ein Gewicht von über 40 Tonnen. Zu seinen Besonderheiten zählen die ab dem ersten F voll klingenden 32-Fuß-Pfeifen im Prospekt, ein in der Laufbahn der Werkstatt Grenzing bislang einmaliges Element.
Beim Bau wurden Hölzer aus mehr als dreißig verschiedenen Arten verwendet, zusammen mit natürlichen Materialien wie Leder und Filz für die Bälge und inneren Mechanismen. Der Prospekt integriert zudem Elemente aus böhmischem Kristall und bindet damit eine der emblematischsten handwerklichen Traditionen der Tschechischen Republik ein.
Von Beginn an enthielt das Projekt eine wesentliche Vorgabe, formuliert vom Kardinal Dominik Duka, dem Initiator: den Blick auf das große Rosettenfenster vom Altar aus zu bewahren. Diese Prämisse führte zu einer besonderen Lösung, bei der sich der als frei konzipierte Prospekt der Geometrie des Rosettenfensters anpasst und feinfühlig dem Verlauf seines unteren Halbkreises folgt. Der Prospekt drängt sich dem Gesamtbild nicht auf, sondern tritt in eine direkte Beziehung zu einem der markantesten Elemente der Kathedrale.
Die Prospektpfeifen, unter denen die großen 32-Fuß-Pfeifen hervorstechen, die ab dem ersten F voll erklingen, sind auskragend angeordnet und erscheinen als von der inneren Struktur des Instruments herabhängende Elemente. Von jeder sichtbaren Stütze befreit, präsentieren sie sich wie schwebende Juwelen vor einem dunklen Hintergrund, der ihre Präsenz und ihre Beziehung zum Licht verstärkt. Diese Anordnung erzeugt ein Gefühl von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit und verwandelt den Prospekt in eine lebendige Erscheinung, deren Wahrnehmung sich im Laufe des Tages verändert.
Die zwischen den Pfeifen angeordneten Stücke aus böhmischem Kristall folgen dem Wunsch, der Glas- und Kristalltradition des Landes Tribut zu zollen. Ihre Präsenz verleiht dem Werk eine poetische und zugleich zeitgenössische Dimension sowie einen Ausdruck der tschechischen handwerklichen Exzellenz.
Der Designer Jan von Hassel schlug Elemente aus böhmischem Kristall vor, die zwischen den Pfeifen angeordnet sind und dem Bestreben entsprechen, die Glas- und Kristalltradition des Landes zu würdigen. Ihre Präsenz verleiht dem Werk eine poetische und zeitgenössische Dimension sowie einen Ausdruck der tschechischen handwerklichen Exzellenz.
Bereits Im Oktober 2019 wurde die Orgel, vollständig in der Werkstatt Grenzing aufgebaut, der Projektkommission, den Mäzenen und Kardinal Dominik Duka im Rahmen einer Veranstaltung mit mehreren Konzerten vorgestellt.
Im Jahr 2025 wurde das Instrument an seinen endgültigen Standort in der Kathedrale überführt, wo über einen Zeitraum von zehn Monaten ein intensiver Montageprozess stattfand, der mit einem hohen Maß an technischer Präzision und unter kontinuierlicher Abstimmung mit allen Beteiligten durchgeführt wurde. Parallel dazu erfolgte die Intonation im ständigen Dialog mit der Akustik und der Spiritualität des Gebäudes; die Temperatur sank dabei auf nur 4 Grad!
Die neue Orgel im Veitsdom zu Prag – ein optisches und klangliches Wunderwerk!