Liebe Freunde und Förderer,
„Wurzeln“ ist unser Jahresthema 2026. Im Jahr des Stadtjubiläums von Ratingen geht’s quasi „back to the roots“. Das Verfolgen von Wurzeln und ihren Verästelungen ist immer voller Überraschungen: meist geht es noch tiefer und ist viel weitverzweigter als gedacht!
Das ist beim Gärtnern so, in Ratingens Stadtgeschichte oder im großen Wald der Musik. Lange bevor Ratingen am 11. Dezember 1276 seine Stadtrechte erhielt, waren im 9. Jahrhundert in Folge der Mission des Heiligen Suitbertus erste Kirchbauten als Gründung der Abtei Werden auf dem Ratinger Kirchhügel, wo heute die gotische Pfarrkirche St. Peter und Paul auf die Stadt ausstrahlt.
Es sind meist Ur-Orte, die die Christen sich für ihre Kult-Orte auswählten. Es sind Kraftorte, die wir brauchen und die wiederum als spirituelle Quellen eine Art Wächter brauchen. Eine solche Wächterfunktion, die einen Ort vital und als Weg-Herberge offenhält, haben wir Christen und unsere Musiktradition. Die Ratinger Monstranz von 1394 bildet etwa so viele Musiker ab - mit teils kuriosen Instrumenten - wie Engel und Heilige!
Entsprechend prägen bis heute eine Vielzahl von Chorgruppen von der Kita bis ins Seniorenalter das Gemeindeleben, an Orgeln - wie aktuell dem Projekt von Orgel-Modulen, die Jugendliche selbst bauen - wird immer weiter gewerkelt und Gäste aus aller Welt musizieren unter dem gotischen Gewölbe von St. Peter und Paul.
Das alles ist nur möglich Dank Ihrer und Eurer Unterstützung und tatkräftiger Hilfe! Vergelt’s Gott!
Nachdem sich der monatliche orgel.punkt 12 bereits dem Thema Wurzeln gewidmet hat, folgt nun traditionell auch das international besetzte organistival, bei dem seit 1998 OrganistInnen aus über 20 Nationalitäten am Spieltisch der Seifert-Orgel auf der Empore und seit 2012 sichtbar unten am Chorraum-Spieltisch Platz genommen haben.
Auf drei große Konzertabende können wir uns in diesem Jahr mit blühendem Nachwuchs und tief verwurzelten Stammbesetzungen freuen:
Den Anfang mach am Freitag, dem 29. Mai 2026 um 19 Uhr der im vergangenen Jahr neu ernannte Organist der Frauenkirche in Dresden, Niklas Jahn.
Seine Wurzeln hat er im katholischen Fulda und seiner Dommusik. Bereits als Schüler führten ihn erste Hochschulstudien nach Mainz zu Prof. Hans-Jürgen Kaiser. Nach dem Bachelor in Kirchenmusik bei Prof. Gerhard Gnann und Prof. Kaiser setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik Freiburg mit einem Master in Kirchenmusik bei Prof. Matthias Maierhofer, Prof. Vincent Dubois, dem Titularorganisten von Notre Dame in Paris, und Prof. David Franke sowie weiteren Masterabschlüssen in Orgelimprovisation und Chorleitung fort. 2025 schloss er beide Konzertexamina – Orgelimprovisation und Künstlerisches Orgelspiel – mit Auszeichnung ab.
Niklas Jahn ist mehrfach ausgezeichneter Preisträger internationaler Wettbewerbe, darunter erste Preise beim St. Albans International Organ Improvisation Competition und beim Musashino-Tokyo Organ Competition sowie Finalist beim Haarlem International Improvisation Competition. Er ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Helene Rosenberg-Stiftung. Seine Lehrtätigkeit führte ihn an die Musikhochschulen in Saarbrücken, Freiburg, Dresden und Weimar. Internationale Konzertreisen unter anderem nach Japan, England, Frankreich, Italien und in die Schweiz prägen sein künstlerisches Schaffen. Die Kunst der Improvisation bildet dabei stets einen zentralen Schwerpunkt seiner Programme.
Sein Programm am kommenden Freitag führt vom Licht zur Flamme: von österlichen Schöpfungen von Charles Tournmire und Thierry Escaich zum Feuer von Pfingsten in Johann Sebastian Bachs Fantasie über „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ BWV 651 und Maurice Duruflés Choral varié über den Hymnus „Veni Creator“. Im Zentrum des Abends wird sich Niklas Jahn mit einem paraphrasierenden Kommentar als Improvisations-Künstler der jungen Generation zeigen. Da geht es dann von den Wurzeln der abendländischen Musik in der Pfingst-Sequenz aus dem Jahrhundert der Ratinger Stadtgründung hin zu den Ausdrucksmitteln eines jungen Künstlers.
Im Sommer geht es dann weiter mit einem Dialog zweier französischer Musiker: am Sonntag, dem 26. Juli 2026, 19 Uhr begegnen sich Altmeister Jean-Pierre Leguay, bis 2016 Titularorganist an Notre Dame und bis heute ein kreativer Kopf der französischen Komponisten-Szene, und Samuel Liégeon, Maler und preisgekrönter Organist.
Das Besondere: beide sind zu hören an der Seifert-Orgel und am historischen Blüthner-Flügel, der einst Wilhelm Furtwängler auf Reisen begleitete. An beiden Instrumenten gibt es Literatur von Liszt, Chopin und Debussy sowie Improvisationen im Dialog beider Klangwelten: Confluénces…
Das Finale bestreitet mit Jan Liebermann ein Ausnahmetalent, der schon vor seinem Abitur und Studium an der Münchener Musikschule die halbe Welt, Konzerthäuser, Kathedralen und Kirchen bereiste und dabei die ganze Welt über seine social media - Kanäle daran teilnehmen ließ. Man kann wohl sagen: Wer als Schüler alle Bachschen Triosonaten auswendig an einem Abend spielt, kann von sich behaupten, gut in der Tradition verwurzelt zu sein!
Jan Liebermann ist am Freitag, dem 6. November 2026, 19 Uhr mit „transcriptions unlimited“ in St. Peter und Paul zu Gast und wird die Seifert-Orgel als orchestrales wie kammermusikalisches Instrument mit Transkriptionen würdigen. Im Anschluss laden wir alle Mitglieder von Muisca sacra zum Jahresempfang ins Kantorenhaus ein!
Dazwischen gibt’s im Herbst am 3. und 4. Oktober 2026 ein Stipendiaten-Meeting:
7 junge MusikerInenn, die seit 2007 dank der Unterstützung durch die Blumberg-Stiftung das Graduiertenstipendium des Fördervereins Musica sacra innehatten, kommen zu ihren Ratinger Wurzeln zurück. Bei Tee, Wein und guten Gesprächen rund um Turmkapelle und Glaspavillon gibt es Mini-Konzerte, in denen sich die OrganistInnen aus Irland, England, den Niederlanden, Italien und Deutschland an vertrauter Stätte musikalisch präsentieren.
Ratinger Kirchenmusik
www.ratinger-kirchenmusik.de