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ORGELMANAGEMENT IN EUROPA SEIT 1990 • CD- UND DVD-LABEL

Die Orgel im Auditorium von Teneriffa (Artikelnummer: OP6001)

Das „Auditorio de Tenerife“ (vollendet 2003) in Santa Cruz ist ein Werk des renommierten spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava, dessen Arbeiten sich allesamt durch eine eigenwillige Ästhetik der Bauformen auszeichnen: eine Kombination von unmittelbar aus der Natur abgeleiteten Formen – mit ausgeprägt futuristischem Charakter -, die eine hohe bautechnische Komplexität aufweist.

Diese architektonisch ambitionierte und künstlerisch „aufgeladene“ Umgebung bot den idealen Hintergrund für das Entstehen der neuen Orgel (vollendet im Dezember 2005) des Auditoriums von Teneriffa. Ein in seiner jetzigen Form und seiner spezifischen Klanggestalt ausgesprochen fortschrittliches Instrument sowohl hinsichtlich seiner skulpturalen, als auch musikalischen Qualitäten.

 

Raumklang – räumlicher Klang

Die Idee des Raumklanges als „räumlicher Klang“ greift die traditionelle Anordnung alter Orgeln, bzw. Orgelanlagen spanischer Kathedralen wieder auf, bei denen sich im Kirchenschiff zwei (gelegentlich auch mehrere) Instrumente gegenüberstehen, bzw. im Raum verteilt positioniert sind. Instruktives Beispiel hierfür sind etwa die vier Orgeln im kreuzförmigen Schiff des Salzburger Doms. Auch die Chorwerke von Monteverdi im Markusdom von Venedig mit seinen mehreren gegenüberliegenden Emporen (mit je separaten Orgelwerken) können als Beispiele für die bewusste Verwendung mehrerer Klangquellen genannt werden. Primärer Zweck: den Zuhörer in ein räumliches Klangerlebnis einbinden. Auch die Orgel des Auditoriums von Teneriffa verfolgt diese Idee: 8 Teilwerke stehen in großer räumlicher Distanz mit 20 Meter von einer Saalseite bis zu anderen.  Das Resultat ist eine quasi stereophone Klangfülle, die in der Saalrundung dem heutigen 5.1. Dolby-Surroundklang sehr nahe kommt.

 

Sensitive Traktur und variabler Anschlag

In der Orgel von Santa Cruz wurde schließlich auch die in der Orgelbaugeschichte lang ersehnte „proportionale“ oder „sensitive“ Tontraktur verwirklicht, die hier weltweit wohl erstmalig in einem Instrument dieser Größe in der Praxis realisiert werden konnte. Es handelt sich hierbei um ein digitales Tastenübertragungssystem zwischen Spieltisch und Tonventil.
Die Funktion basiert auf der Nutzung des Hall-Effektes, der die Positionen jeder Taste in 128 Schritte aufteilt, bei dem die Informationen gelesen, und etwa 200 Mal pro Sekunde an den jeweiligen Elektromagneten gesendet werden.
Das Datenübertragungssystem ist ein Meisterwerk des italienischen Elektronikherstellers ELTEC. Die Elektromagneten wurden von Blancafort OM und Junyent Eng entwickelt und gebaut, und stellen eine wichtige Neuerung im Orgelbau dar.
Im Ergebnis wurde eine Reaktionszeit von nur 2 Millisekunden erzielt: dieselbe Zeit, die ein mechanisches System benötigt, um seinen Spannungspunkt zu erreichen. Zum Vergleich: ein üblicher ON/OFF-Elektromagnet benötigt etwa 15 Millisekunden bis zur Magnetisierung seiner Spule.
Dieses Magnetsystem ist das schnellste der Welt.
Zusätzlich zum proportionalen System mit dem der Organist den Anschlag, die An- und Absprache der Pfeife modifizieren und den Klang modellieren kann, erlaubt die sensitive Traktur den Ventilhub in der Windlade, bei gleich bleibendem Tastenhub am Spieltisch zu modifizieren. Man kann also die die Ansprache der Pfeife zusätzlich zur proportionalen Übertragung beeinflussen.

 

 10 Organisten

Die von Jean Guillou konzipierte Lösung erlaubt die Kombination von acht zusätzlichen, separaten, einmanualigen Klaviaturen, so dass die Orgel wie ein „Orchester“ von mehreren Musikern (zusammen mit dem eigenständigen Positiv und dem Hauptspieltisch bis zu 10 Organisten) gleichzeitig gespielt werden kann. Jede Klaviatur bringt jeweils eines der acht Orgelwerke zum Klingen. Der „Orchesterdirigent“ nimmt seinen Platz am Hauptspieltisch ein, bestimmt die Register der einzelnen Spieler, und damit das klangliche Geschehen. Es ergeben sich neue Möglichkeiten für die Orgelkomposition,  Interpretation z.B. von Transkriptionen sinfonischer Werke und für die Improvisation.

 

Integrales Orgeldesign

Das Design der Orgel von Teneriffa spiegelt den avantgardistischen Geist des Instrumentes auch äußerlich sichtbar wider. Die Raumformen von Santiago Calatrava werden aufgegriffen und weitergeführt – bis hin zur Spielform -  und alles verschmilzt zu einer künstlerischen Einheit.

 

Prospektgestaltung

Der Prospekt beispielsweise ist eine Allegorie der Basaltform der Küste von La Gomera, bekannt unter dem volkstümlichen Namen „Orgelpfeifen“. Die sechs 16´-Prospektfelder haben eine Neigung von dreißig Grad und stehen im Einklang mit der perspektivischen Fluchtlinie des Saals; eine erhebliche technische Herausforderung für den Orgelbauer. Das Material der hängenden Prospektpfeifen ist eine Zink-Titan-Legierung.

 

Die Chamaden

Auf Wunsch des Architekten sollten die spanischen Trompeten im Raum nicht immer sichtbar sein; nur beim Orgelkonzert mit Einschalten der Orgel. Die beiden Chamaden bildenden Blöcke (ein Block auf jeder Seite des Saals) werden mit Hilfe einer hochpräzisen Automatik in den Saal ausgefahren. Jeder der beiden Blöcke hat ein Eigengewicht von ca. 400 Kilogramm. Sie tragen die Windlade, technische Mechanismen, sowie die Pfeifen aus Zinn mit einer Becherlänge von maximal acht Fuß (2.4m). Die Pfeifen hängen an einem komplizierten selbst tragenden Metallgerüst und ruhen nicht wie bei der traditionellen spanischen Chamade auf einer Stange.

 

Der Spieltisch

Der Spieltisch verarbeitet künstlerisch das gesamte Raumkonzept und spiegelt die äußere Gestalt des Auditoriums wider. Ein Werk modernster Tischlereikunst der „Haut Couture“. In seinem Inneren beherbergt der Spieltisch das wohl umfassendste und komplexeste Übertragungssystem in der neueren Geschichte des Orgelbaus.
Die Orgel besitzt insgesamt 10 Teilwerke. Jede Werksektion (mit Ausnahme des Pedals) kann am Spieltisch mit der „freien Werkstruktur“ genannten Steuerung jeder beliebigen Klaviatur zugewiesen werden.
Die Anordnung der Register am Spieltisch sowie die Tastenmensur stammen von Jean Guillou.

 

Technisch hoch innovatives Kunsthandwerk

Für den Bau der Orgel des Auditorio de Tenerife wurden fortschrittliche und modernste Technologien eingesetzt: 3D-Design, virtuelle Darstellungen, Messungen mit Scanner, Schnitt und Fräsen der Holzteile mit CNC-Bearbeitungsmaschinen, Beleimung der Teile mit Vakuumtechnik, eigens entwickelte Software-Programme etc.  Die Bauphase dauerte mehr als drei Jahre und es wurden über 30.000 Arbeitsstunden benötigt, von denen viele dem Bereich Forschung und Entwicklung des Instruments gewidmet wurden. Ein Großteil dieser Arbeit wurde in den Werkstätten von Blancafort OM in Collbató (Montserrat, Barcelona) geleistet. Die Montage des Instruments stellte sich als besonders kompliziert dar und dauerte über ein Jahr, da das Erstellen des Unterbaues und das Installieren aller Elemente vor Ort unter Berücksichtung des dicht gedrängten Veranstaltungskalenders der Philharmonie geschehen musste.

 

Offizielle Einweihung – das erste Konzert

Das erste Orgelkonzert fand am 3. Dezember 2005 vor mit 1600 Zuhörern ausverkauftem Haus statt.
Neben mehreren Soloimprovisationen in einem dramaturgischen Kontext mit wechselnden Lichtspielen und drei Filmimpressionen brachte das Konzert ein Triptychon für neun Organisten – eine Weltpremiere im Sinne eines „Orchesters der Organisten“

 

Booklettext in deutsch, englisch and spanisch

Gesamtspielzeit: 105 min

 

Trailer:

 

 

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